Fachartikel

Kommunikation scheitert selten an Worten

Nicole Krüger · · #9

Wo Missverständnisse beginnen

„Das war doch eigentlich klar.“ Ein Satz, der in Teams erstaunlich häufig fällt.

Oft nicht laut. Oft nicht einmal vorwurfsvoll. Und trotzdem markiert er genau den Punkt, an dem Kommunikation bereits begonnen hat, auseinanderzulaufen. Denn die meisten Missverständnisse entstehen nicht dadurch, dass nichts gesagt wurde. Sondern dadurch, dass Menschen von unterschiedlichen Selbstverständlichkeiten ausgehen.

Kommunikation ist mehr als Informationsweitergabe

Kommunikation wird im Arbeitsalltag häufig wie Informationsweitergabe behandelt: Etwas wird gesagt, erklärt oder weitergegeben und damit gilt es als kommuniziert. Dabei zeigen viele Beobachtungen aus Team- und Organisationskontexten seit Jahren etwas anderes:

Menschen hören Informationen nicht neutral. Sie ordnen sie ein.

Durch eigene Erfahrungen. Durch Erwartungen. Durch Unsicherheit. Durch bisherige Zusammenarbeit. Das bedeutet: Zwei Menschen können dieselbe Aussage hören und trotzdem etwas Unterschiedliches verstehen.

„Ich dachte, das wäre selbstverständlich.“ „Ich habe es anders verstanden.“

Unterschiedliche Erwartungen bleiben oft unsichtbar

Und genau dort beginnen viele Missverständnisse. Besonders sichtbar wird das dort, wo unterschiedliche Arbeitsverständnisse aufeinandertreffen.

Die einen haben gelernt: „Eigeninitiative zeigt sich darin, einfach anzufangen.“ Die anderen:„Ich kläre lieber einmal mehr nach.“ Die einen fragen nach, um Klarheit herzustellen. Die anderen fragen lieber nicht, um sicher zu wirken. Die einen erwarten Orientierung. Die anderen setzen Selbstständigkeit voraus. Und vieles davon bleibt unausgesprochen.

Auch das Ungesagte wirkt

Hinzu kommt: Kommunikation besteht nicht nur aus Worten. Auch Reaktionen, Tonlagen, Nicht-Reaktionen oder unausgesprochene Erwartungen beeinflussen, wie Aussagen verstanden werden.

Gerade in Teams entwickeln sich daraus mit der Zeit oft stabile Muster. Menschen beginnen vorsichtiger zu fragen. Oder hören auf nachzufragen. Unsicherheiten werden nicht mehr offen angesprochen, sondern still kompensiert. Nach außen wirkt das oft wie ein individuelles Problem. Tatsächlich zeigt sich darin aber häufig bereits, wie Zusammenarbeit im Alltag erlebt wird.

Genau deshalb entsteht Klarheit nicht automatisch dadurch, dass etwas gesagt wurde. Klarheit entsteht erst dort, wo Unterschiede nicht still vorausgesetzt, sondern bewusst geklärt werden.

Und genau deshalb ist Kommunikation weit mehr als der Austausch von Informationen. Sie entscheidet darüber, ob Menschen sich orientieren können oder anfangen, Situationen nur noch für sich selbst zu interpretieren.

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