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Die ROI-Lüge im HR: Warum die Frage nach dem Ertrag bei der Teamentwicklung kein Tabu sein darf

Hermann Schmidt · · #4

Wenn in mittelständischen Unternehmen eine neue Maschine angeschafft oder ein großes Software-Update geplant wird, ist eine Frage völlig selbstverständlich: „Wann rechnet sich das?“ Der Return on Investment (ROI) ist die absolute Grundlage jeder kaufmännischen Entscheidung.

Warum bei Teams plötzlich andere Maßstäbe gelten

Doch sobald das Gespräch auf das Thema Teamentwicklung kommt, ändert sich die Tonalität im Raum schlagartig.

Plötzlich wird die ROI-Frage weggelächelt oder gar als unangebracht empfunden. Es herrscht der unausgesprochene Glaube: Bei Menschen fragt man nicht nach Zahlen. Wer bei der Teamentwicklung nach harten wirtschaftlichen Fakten verlangt, gilt schnell als kalter Controller, der den Wert von „Kultur“ und „Miteinander“ nicht verstanden hat.

Aus meiner langjährigen Erfahrung als Betriebswirt und Geschäftsführer sage ich: Dieses schlechte Gewissen ist fatal. Und es schadet den Teams mehr, als es sie schützt.

Teamentwicklung ist eine Investition

Teamentwicklung ist kein „Fass ohne Boden“

Weil wir uns oft scheuen, Team-Maßnahmen an messbare Ziele zu knüpfen, verkommt Teamentwicklung in vielen Unternehmen zu einer Blackbox – einem „Fass ohne Boden“. Man gibt Budget für einen netten Tag frei, hofft auf gute Stimmung und hakt das Thema ab. Das Ergebnis? Teamentwicklung wird als reine Kostenstelle für die gute Laune verbucht, die bei der nächsten Krise als Erstes gestrichen wird.

Das wird dem Potenzial einer echten Mannschaft nicht gerecht.

Wenn wir uns im Profisport umsehen, finden wir eine völlig andere Herangehensweise. Wenn das Management dort in das kontinuierliche Training des Kaders investiert, dann nicht (nur), damit sich die Spieler in der Kabine gut verstehen. Man trainiert die Laufwege, die blinde Abstimmung und das Spielsystem, um auf dem Platz zu gewinnen – und damit den wirtschaftlichen Erfolg des Vereins abzusichern.

Warum sollten wir an die wertvollste Ressource unseres Unternehmens – unseren Mitarbeiter-Kader – geringere strategische Maßstäbe anlegen?

Die versteckten Kosten schlechter Zusammenarbeit

Die wahren Kosten schlechter Team-Statik

Wer glaubt, Teamentwicklung ließe sich nicht in Zahlen fassen, übersieht die massiven, oft versteckten Prozesskosten, die durch eine schwache Mannschafts-Statik entstehen:

1. Reibungsverluste und „Fehlpässe“: Wenn die Kommunikation an den Schnittstellen zwischen Abteilungen nicht blind funktioniert, dauern Entscheidungen länger. Informationen gehen verloren, Projekte verzögern sich, Nacharbeit wird nötig. Das sind messbare, harte Kosten. 2. Verlangsamte Laufwege: Wenn das Vertrauen fehlt, sichern sich Mitarbeiter doppelt und dreifach ab. E-Mails werden mit zig Leuten im CC verschickt, Verantwortlichkeiten hin und her geschoben. Die Durchlaufzeiten steigen rasant. 3. Das teuerste Gegentor – Die Fluktuation: Wenn Leistungsträger auf den falschen Positionen eingesetzt werden oder durch unklare Strukturen ausbrennen, verlassen sie das Unternehmen. Die Kosten für Recruiting, Einarbeitung und den Produktivitätsverlust bei einer Neubesetzung verschlingen im Mittelstand schnell Beträge im mittleren fünfstelligen Bereich. Pro Kopf.

Die ROI-Frage wertet Teams auf

Wer nach dem ROI fragt, wertet sein Team auf.

Ein echtes Teamtraining ist kein Konsumgut, sondern eine strategische Wertanlage. Es geht darum, das System so aufzustellen, dass es Fehler reduziert, die Passquote erhöht und die Leistungsträger im Unternehmen hält.

Deshalb mein Appell an alle Entscheider, Geschäftsführer und HR-Verantwortlichen: Legen Sie das schlechte Gewissen ab.

Wenn Sie über Teamentwicklung nachdenken, fordern Sie nicht nur Nachhaltigkeit ein. Fragen Sie völlig legitim nach dem ROI. Fragen Sie danach, wie sich die Maßnahme auf Ihre Prozess-Sicherheit, Ihre Fluktuationsrate und Ihre Durchlaufzeiten auswirken wird.

Wer bei seinen Mitarbeitern nach dem betriebswirtschaftlichen Ertrag einer Maßnahme fragt, reduziert den Menschen nicht auf eine Zahl. Im Gegenteil: Er hebt die Zusammenarbeit im Team endlich auf die strategische Ebene, auf die sie gehört. Er behandelt sein Team als das, was es ist – der entscheidende Motor für den Unternehmenserfolg.

Wie wird das in Ihrem Umfeld gelebt? Darf bei „Soft Skills“ und Teamkultur offen über harte KPIs und den Return on Investment gesprochen werden, oder ist das bei Ihnen noch ein Tabu? Ich freue mich auf Ihre Perspektiven in den Kommentaren.

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